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Psalm 119

Sola gratia. Allein die Gnade des einzigen lebendigen Gottes rettet uns. Und Jesus ist unser einziger Retter. Das ist mein Glaubensbekenntnis, denn dies lehrt uns die Bibel: das Evangelium in Kurzform.

Wieso um alles in der Welt vertonst du dann alttestamentliche Texte? Das Alte Testament ist vergangen, wir leben im Zeitalter des Neuen Testaments. Und gesetztriefender als der Psalm 119 geht wirklich nicht mehr. Bist du nicht widersprüchlich unterwegs, liebe Corinne?!

Dem vermeintlichen Widerspruch möchte ich unbedingt nachgehen. Gib mir kurz deine Zeit. Es ist so spannend, was dabei herauskommt.

Irgendetwas sehr Besonderes muss den Psalmisten bewogen und begeistert haben, dass er 176 Verse über seine Liebe zu Gottes Ordnungen und seinen Gesetzen aufschrieb. Von allen Seiten und in höchsten Tönen lobt er Gottes Gebote in einer einzigen, grossen, ausführlichen und nicht enden wollenden Liebeserklärung an einen Gesetzes-Katalog. Mal spricht er auch von Vorschriften oder Bestimmungen.

Der muss doch echt einen Flick weghaben? Was soll daran jetzt attraktiv sein? Das trieft doch von Selbsterlösung und Pedanterie. Wie bringst du das zusammen?

Das versuche ich gerne zu erklären. In Vers 27 bittet der Psalmist, dass Gott ihn seine Vorschriften verstehen lassen soll.
Wer in einem Bereich arbeitet oder lebt, wo Gesetzbrüche an der Tagesordnung sind, kann die Sehnsucht nach Ordnung mehr als verstehen. Die Wirkung der Ordnungen sind befreiend, sie regeln das Zusammenleben, schaffen Gerechtigkeit, weisen das Böse in die Schranken. Und wer das Gesicht des Bösen in seinem Leben gesehen hat, weiss, was das bedeutet. Das Gesetz besteht, weil es vor dem Bösen schützen will, weil es erst dadurch zur so nötigen Gerechtigkeit kommen kann. Ordnungen geben das Gefühl von Sicherheit, Klarheit und geben Schutz.
Nehmen wir folgendes Beispiel: Ein Schaf ist innerhalb des Zauns geschützt, der Wolf kann es nicht erreichen. Wenn es den gegebenen Rahmen verlässt, wird es den Angriffen ausgesetzt sein und der Stärke seines Gegenübers früher oder später erliegen. Das ist eine gute Botschaft: Gott hat uns seine Ordnungen wissen lassen. Sie sind gut, sie schützen uns, sie weisen uns auf den richtigen Platz. Wenn wir als Gesellschaft nur sähen, wie wertvoll dies ist. Betrachten wir nur den Zaun, fühlen wir uns eingeschränkt. Sehen wir darauf, wovor er uns schützt, werden wir dankbar. Genau das hat Gott gemacht, in dem er uns seine Gebote gegeben hat. Sie schützen uns vor dem Bösen, enthalten aber uns gleichzeitig nichts Gutes vor! Was für eine Botschaft.

Das dreht die ganze Sichtweise um. Ich glaube tatsächlich, ich beginne langsam zu verstehen, was damit gemeint ist.

Dann versteht man auch die Verse, in denen der Psalmist schreibt: Und ich werde wandeln in weitem Raum, denn nach deinen Vorschriften habe ich geforscht (45). Du bist gut und tust Gutes (68). Lieber ist mir das Gesetz deines Mundes als Tausende von Gold- und Silberstücken (72).

Gott ist nur gut. Wenn er Gesetze erlässt, sind sie gut. Und er erlässt Ordnungen, weil er gut ist. Wer sie verlässt, geht seinen eigenen Weg und riskiert viel. Wenn wir das einsehen, setzen wir doch alles daran, diese Ordnungen zu kennen, wir werden sie lieben und wollen sie verstehen. Das ist pure Logik. Denn im Vers 67 steht: Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich. Und ein weiteres Zeugnis dieser weisen Einsicht: Wäre nicht dein Gesetz meine Lust gewesen, dann wäre ich verlorengegangen in meinem Elend. (92)

Und dies ist gerade für junge Leute eine grossartige Nachricht, wertvoller als alles Geld und Gold: Dass sie durch diese Weisungen in ihrem einzigen Leben auf dem guten Pfad bleiben können, im Schutz dessen, der weiss, was für sie gut ist. Wie gut, wenn sie nicht erst die Fratze des Bösen kennenlernen müssen, weil sie den guten Weg kennen, ihn gehen und nicht absichtlich verlassen. Was für ein grosser Segen ist das denn! Das wünsche ich jedem. Auch der Psalmist kommt am Schluss in Vers 172 auf diesen Punkt zu sprechen: Denn alle deine Gebote sind Gerechtigkeit!

Ich verstehe: Es geht also im Psalm 119 nicht um ein pedantisches Festhalten und Erfüllen von Gesetzen, sondern um ein freiwilliges Verfolgen von guten, nützlichen Geboten, die Gerechtigkeit schaffen und das Leben gelingen lassen.

Genau. Und wer Gott liebt, will seine Gebote halten. Er weiss, dass Gott Gebote gibt, um uns das Leben gelingen zu lassen und weil er gleichzeitig Sünde nicht ertragen kann. Wer, als der Schöpfer selbst, weiss besser, was seine Geschöpfe brauchen? Wer das nicht anerkennt, schadet sich selbst.

Über das Gesetz gibt es übrigens im neuen Testament eine Stelle, die den Kreis schliesst und beide Testamente verbindet.

Ich bin ganz Ohr.

«Seid niemand etwas schuldig, als nur einander zu lieben; denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn das: «Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren, und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist es in diesem Wort zusammengefasst: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.»

Mathematisch gesehen ist dies eine Gleichung. Liebe = Erfüllung des Gesetzes.

Das Gesetz zu erfüllen, ist eine unerfüllbare Aufgabe. Wieder ein Widerspruch? Nein, denn auf diesem Weg begleitet uns immer und immer wieder die Gnade und Vergebung. Und die bekommen wir nur bei Jesus, aber dort garantiert. Wir erlösen uns nicht selbst, halten uns aber an das Gesetz, welches uns in der Liebe bleiben lässt. Jesus hat das Gesetz erfüllt und ist bereit alles vergeben, was es zu vergeben gibt. Wir müssen einfach mit ihm unterwegs sein, in dem wir die Gebote der Liebe kennen und sie tun. Gnade und Gesetz gehören also untrennbar zusammen. Und eine letzte Frage für letzte Zweifel: Wie sonst wüssten wir, was Liebe ist, wenn es nicht das Gesetz uns erklärt?

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